Gründung

Im Sommer 1996 setzten sich Ärzte aus Deutschland und Ärzte aus dem damals noch ziemlich unbekannten asiatischen Riesen – Indonesien - zusammen, um gemeinsam an der Vertiefung des medizinischen Austausches zum Nutzen beider Länder zu arbeiten. Die Gründung der Gesellschaft erfolgte am 22.6. 1996 in Frankfurt/M, deren Anerkennung als gemeinnütziger Verein im Jahre 1998 erreicht werden konnte.

 

Gründungsmitglieder:

Dr. J. Hampl, Prof. Dr. F. W. Herhlein (†), Prof. Dr. Dr. h.c. E. Kuntz (†), Prof. Dr. J. Mulch (†),

Dr. S. Soekemin, Dr. R. Soeparwata

Ausschlaggebend war, dass nach  der Unabhängigkeit des heute mit 250 Millionen Einwohner nach China, Indien und den USA 4. bevölkerungsreichsten Landes der Welt, ein halbes Tausend Ärzte aus Deutschland ins Land gerufen worden waren, um die medizinische Grundversorgung des Landes wieder aufzubauen und weiter, dass im Zuge des Bruches mit dem früheren Kolonialherrn Holland, sich zehntausende junger Indonesier und Indonesierinnen aus den ersten Nachkriegsgenerationen an deutschen Universitäten und Hochschulen eingeschrieben hatten.

Darunter etwa auch der spätere Reformpräsident Habibie, der 1998/1999 die Grundlagen der neuen Demokratie in Indonesien gelegt hat. Habibie zählte zu der damals größten Gruppe der in Deutschland studierenden Indonesier, der Gruppe der Ingenieure. Die zweitgrößte Gruppe aber bildeten ohne Frage die Mediziner. Mit anderen Worten: die notwendigen “medizinischen Kontakte“ hinüber und herüber waren also da. Es bedurfte eigentlich nur noch einer Anregung. Diese kam vom damaligen deutschen Botschafter in Jakarta, Dr. jur. Heinrich Seemann. Als Ergebnis gründeten 5 deutsche und 2 indonesischen Ärzte am 21. Juni 1996 die Deutsch-Indonesische Gesellschaft für Medizin (DIGM). Gründungspräsident war Prof. Dr. Hans- Dieter Bundschu, Bad Mergentheim. In der Vereinigung der “Alumni jerman“ in Jakarta, einer Vereinigung von Ärzten, die ihre ärztliche Ausbildung in Deutschland erhalten hatten, fand sich der indonesische Partner (1. Vorsitzender Dr. H. A. Napitupulu).

Nicht vergessen darf man dabei, dass Deutsche in Indonesien ohnehin seit langem keine Unbekannten waren. Deutsch war bis in die 90er Jahre des vorherigen Jahrhunderts Wahlpflichtfach in den Schulen. Viele Tausende von Deutschen hatten sich über drei Jahrhunderte hinweg in das frühere Niederländisch-Indien aufgemacht, Abenteurer, Kaufleute, Missionare, Ingenieure, Wissenschaftler, Maler. Schriftsteller und wiederum nicht zu vergessen Ärzte, Apotheker etc. Sie brauchte man immer. Und es war auch genau die Gruppe der „Mediziner“, aus der auch die großen Forscher in diesem unbekannten tropischen Land herauswuchsen: Georg -Rumpius (1627 -1702), der erste Wissenschaftler des Landes überhaupt, Franz Wilhelm Junghuhn (1809-1863), den die Encyclopädia Britannica den Humboldt von Java nannte. Caspar Georg Karl Reinwardt (1773-1854), der auf Java einen der größten Botanischen Gärten der Welt gründete und nicht zu vergessen, Adolf Bastian (1826-1905). Der Schiffsarzt Bastian war nicht nur Gründer der ethnologischen Museen in Berlin, die später den Grundstock des neuen Humboldt Forums bilden werden.

Mit seinen wissenschaftlichen Schriften über das Land wurde er zum unermüdlichen und letztlich erfolgreichen Propagandisten des Wortes „Indonesien“ zusammengesetzt aus „Indien“ und dem griechischen „nessos“ für Insel. Es wurde 1945 zum Namen des unabhängig gewordenen Staates erklärt.

Ziel der Gründung der DIGM war und ist es, diese alten und neuen Beziehungen auf dem Gebiet der Medizin zusammenzuführen, neu zu beleben und für die Zusammenarbeit zwischen zwei modernen Nationen des 21. Jahrhunderts fit zu machen. Natürliche Anknüpfungspunkte für solche Initiativen sind dabei stets die noch bestehenden menschlichen Kontakte. Die Deutsch-Indonesische Gesellschaft für Medizin möchte deutsche Universitätskliniken und Krankenhäuser dafür gewinnen, Gastarztstellen für junge indonesische Ärzte zu öffnen und wieder möglichst viele heranwachsende Mediziner aus Indonesien für eine Fort-und Weiterbildung in Deutschland zu interessieren. Umgekehrt geht es aber auch darum, junge deutsche Mediziner davon zu überzeugen, dass es eine lohnende Aufgabe ist, einige Zeit als Austauscharzt an einem indonesischen Krankenhaus zu arbeiten. Es geht dabei auch darum, verschiedene Systeme in der medizinischen Basisversorgung kennenzulernen  und Erfahrungen zu sammeln vor allem in der Bekämpfung von Infektions- und Tropenerkrankungen.

 

Literatur:

H. Seemann:Von Goethe bis Emil Nolde, Indonesien in der deutschen Geisteswelt. Jakarta: Katalis 1996, ISBN 979-8060-50-4

HJ. Freisleben und H. Petersen: Sie kamen als Forscher und Ärzte 500 Jahre deutsch-indonesische Medizingeschichte unter Mitarbeit von Werner Kraus und Thomas Artman-Simatupang Rüdiger Köppe Verlag, Köln im Druck 2016

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